28.06.2007
Das große Grunzen zwischen Fernsehturm und Kudamm


Wildtiere sind immer häufiger in Berlin anzutreffen – weil sie keine Scheu mehr vom Menschen haben

 

Der junge Mann, der an der Ampel stand, traute seinen Augen nicht. Während er bei Rot auf die Straße schaute, wechselte in aller Seelenruhe ein Vierbeiner die Straßenseite. Bei Grün. Wie es sich gehört. Was zunächst nach einem streunenden Hund aussah, entpuppte sich wenig später als ein stattlicher Fuchs, und das mitten in der Stadt. Jene Begegnung spielte sich an der viel befahrenen Landsberger Allee in Friedrichshain ab.

Es ist inzwischen keine Seltenheit mehr: Kaninchen hoppeln durch Parkanlagen, Füchse durchstreifen Wohnstraßen und Wildschweine graben schon mal ganze Gärten um: Immer häufiger zieht es Wildtiere in die Innenstadt – nicht immer zum Vorteil der neuen Siedlungsbewohner. Beobachtungen des Tierschutzvereins für Berlin zufolge ist die Zahl der im Stadtgebiet getöteten Füchse, Igel und Wildschweine stark angestiegen. Meist endet ihr Leben jäh, weil ihnen Autofahrer nicht mehr rechtzeitig ausweichen können. Nicht selten setzen aber auch Jäger oder Polizisten ihrem Treiben ein Ende. Die Begründung lautet dann meist: Gefahr im Verzug.

 

Dass immer öfter Wildschein, Fuchs und Co. im Tiergarten, in der Hasenheide oder gar in der Spandauer Altstadt gesichtet werden, hat einen einfachen Grund: Die Tiere haben gelernt, dass sie in den Innenstädten große und leicht verfügbare Nahrungsvorräte vorfinden. Mülltonnen vorm Gartentor oder der Fressnapf des eigenen Haustieres vor der Tür bieten die ideale Nahrungsgrundlage. Für Grundstücksbesitzer werden die Tiere dann schnell zur Plage – gleichwohl Menschen ihren Teil dazu beitragen, dass die Wildtiere ihnen näher kommen. Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Mitte September berichtete, wurden allein im Jagdjahr 2005/ 2006 auf Berliner Terrain 350 Wildschweine getötet.


Einen kompetenten und umfangreichen Überblick über die Wildtiere in Berlin gibt die jetzt aktualisierte Broschüre „Wildtiere in Not“. Sie kann bei der Stiftung Naturschutz, Potsdamer Straße 68, 10785 Berlin, angefordert werden. An dem Leitfaden haben auch Mitglieder des Tierschutzvereins für Berlin mitgewirkt. Sie ist in der Geschäftsstelle des Tierschutzvereins erhältlich.

 

Der Deutsche Tierschutzbund hat im Internet ausführliche Informationen zur Verfügung gestellt: www.tierschutzbund.de/00424.html Material kann auch schriftlich angefordert werden: Deutscher Tierschutzbund, Baumschulallee 15, 53115 Bonn.

 

Material zu Wildtieren in der Stadt erhalten Sie zudem in der Geschäftsstelle des Tierschutzvereins für Berlin – Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr am Hausvaterweg 39 in 13057 Berlin (Falkenberg). Berlinweit gibt es das Wildtiertelefon der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Tel. (030) 64 19 37 23.

 

Wildschwein, Fuchs & Co.

Wildschwein: Das mitteleuropäische Wildschwein (Sus scrofa scrofa) ist größer und kräftiger als das Hausschwein. Der Rüssel ist kurz. Ein Keiler wird bis zu 1,80 Meter lang und bis zu 150 Kilogramm schwer. Wildschweine sind Allesfresser. Eine Bache bringt bis zu zwölf Frischlinge zur Welt. Der Nachwuchs geht nach sechs Monaten eigene Wege. Um zu verhindern, dass Wildschweine den Garten umgraben, empfehlen sich stabile Zäune. Außerdem sollten Mülltonnen unzugänglich sein.

 

Fuchs: Sein Markenzeichen ist das rote Fell – der Fuchs (Vulpes vulpes) gehört zu den Hundeartigen. Er kann bis zu 95 Zentimeter lang und bis zu zehn Kilogramm schwer werden. Der Fuchs gilt als äußerst wachsames Wildtier. Er ist Fleischfresser und Einzelgänger. Für den Menschen ist er nicht gefährlich. Wer einen Fuchs in seinem Garten hat, muss in der Regel keine weiteren Füchse fürchten, da die Tiere ihr Revier gegen Eindringlinge verteidigen.

 

Wildkaninchen: Ihr Lebensraum sind Parks und Friedhöfe sowie offene Landschaften. Immer wieder tauchen in Berlin Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) auf. Sie verfügen über kräftige Vorderläufe. Werden bis zu 45 Zentimeter lang und bis zu zwei Kilogramm schwer. Wildkaninchen sind Pflanzenfresser und leben in Gemeinschaft.


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