16.05.2017

Tierschutzverein für Berlin lud ein: "Zukunft ohne Tierversuche" in der Urania

Zuschauer des Podiumsgesprächs (Foto: Tierschutzverein für Berlin, Deutscher Tierschutzbund)

Zukunft ohne Tierversuche – wird Berlin Forschungshauptstadt der Ersatzmethoden? Zu diesem Thema veranstaltete der Tierschutzverein am 24. April 2017 eine große Diskussionsrunde in der Urania Berlin. Anlass war der Internationale Tag des Versuchstieres, der seit 1979 weltweit am 24. April begangen wird.  Damit fand in der Urania zum sechsten Mal unsere Veranstaltungsreihe unter dem Motto  „Forschung  JA  – Tierversuche NEIN!“  statt.

Wieder war die Veranstaltung mit ca. 200 Teilnehmern aus Wissenschaft und Politik, mit Tierschützer/innen und anderen Interessierten gut besucht.

Prof. Dr. Sarah Hedtrich von der FU Berlin im Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, arbeitet mit menschlicher Haut u.a. zur Erforschung der Neurodermitis. Sie führte aus, dass ein übliches Modell dafür die Maus ist. Doch die Haut der Maus unterscheidet sich entschieden von der menschlichen – so haben Mäuse keine Neurodermitis und werden dafür künstlich krank gemacht. Diese Tatsache macht die Forschung an menschlicher Haut wesentlich genauer. Die menschliche Haut kommt von kosmetischen Operationen z.B. von Verkleinerungen des Bauches oder der Oberschenkel.
Die Entwicklung von Ersatzmethoden ist vorerst nicht billig, rechnet sich aber, wenn diese etabliert und validiert sind, da künftige Kosten für Tiere, Pflege und auch Futter wegfallen.

 


Dr. Lutz Kloke hat ein Startup-Unternehmen gegründet, Cellbricks GmbH. Er entwickelt  eine Bioprinter-Plattform zum 3D-Drucken von humanen Geweben und Mini-Organen. Es beginnt mit kleinen einzelnen Schnipseln z.B. Leberzellen, die in einer biologischen  flüssigen Matrix immer mehr aufgebaut werden. Sie ist das Grundgerüst für den Aufbau der Zellen, dann erst kommt der Drucker zum Einsatz. Dr. Klokes  großes Ziel ist es, echte menschliche Organe zu entwickeln, die dann auch als Miniorgane eingesetzt werden können, um z.B. im Multi-Organ-Chip der Testung von Medikamenten zu dienen.
Dr. Kloke arbeitet mit Prof. Lauster, dem Leiter des Fachgebiets Medizinische Biotechnologie der TU Berlin und der Firma TissUse – Human on a Chip – zusammen.

 



Prof. Dr. Horst Spielmann hob die Verdienste der jungen Unternehmen TissUse  und Cellbricks hervor und betonte, dass diese stark gefördert werden müssen. Diese Technologien haben eine große Zukunft und sind weltweit einzigartig.
Prof. Dr. Spielmann bemängelte die Genehmigungspraktiken zu Tierversuchsanträgen. Wenn für einen Antrag eine finanzielle Förderung bestätigt wurde, wird kaum nach Alternativen gesucht, weil die Gutachter bereits hierzu ihr o.k. gegeben hatten. Das reicht in der Regel. Diese These wird durch die Praxis bestätigt, denn kaum ein Tierversuchsantrag wird abgelehnt.

 





Die beiden anwesenden Politiker, Dr. Taschner (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Efler (Die Linke) betonten, dass sich die Koalitionspartner einig sind und zu der Aussage im Koalitionsvertrag stehen. Das ist jedoch nicht von heute auf morgen und auch nicht in einem Jahr zu realisieren. Dr. Efler betonte sein Ziel ist es, Tierversuche ganz abzuschaffen, doch das geht nicht in Berlin oder Deutschland allein. Auch müsste dafür das Tierschutzgesetz geändert werden. Dr. Taschner bat darum, den Politikern ein bisschen Zeit zu geben, ihnen auf die Füße zu treten und auch Vorschläge einzubringen. Beide Politiker haben bei Gesprächen ein offenes Ohr  - aber das muss erst richtig in die Köpfe der Politiker gehen.

Im Gespräch mit den Politikern:
v.l.n.r. Moderator André Tonn, Dr. Taschner (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Efler (Die Linke), Prof. Hedtrich, Dr. Kloke

Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Opens internal link in current windowBerliner Tierschutz-Programm.


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